Für jede gegebene generative Grammatik bestehend aus Alphabet und Produktionsregeln läßt sich zeigen, dass sich mindestens eine wohlgeformte terminale Endkette angeben läßt, die nicht abgeleitet werden kann. Für jede objektiv hermeneutische Methode, die methodologisch durch den genetischen Strukturalismus definiert ist läßt sich zeigen, dass sie äquivalent auf eine generative Grammatik abgebildet werden kann und deshalb mindestens ein Fall angegeben werden kann, für den keine Fallstrukturgesetzlichkeit existiert.
Die Memetik (Susan Blackmore, Richard Dawkins), der genetische
Strukturalismus (Ulrich Oevermann) und die konstruktivistische Systemtheorie
(Niklas Luhmann) sind aequivalent. Nur ihr Marketing unterscheidet sich.*
Im Kern sind sie Modelle identischer Maschinen. Sie stehen fuer eine kontextfreie
formale Sprache. Diese Sprache erzeugt left to the right wohlgeformte Zeichenketten.
Das ist alles.**
"Normalerweise liegt eine Revolution vor uns und kündigt sich mit
»Getöse« an. Die Algorithmische Revolution dagegen liegt bereits
hinter uns und nur wenige haben sie bemerkt - umso wirkungsvoller ist sie gewesen.
Die Algorithmische Revolution begann um 1930 in der Wissenschaft, um 1960 in
der Kunst. Inzwischen gibt es kaum noch einen Bereich unseres gesellschaftlichen
und kulturellen Lebens, der nicht von Algorithmen durchdrungen ist: Technik,
Transport, Haushalt, Banken, Wirtschaft, Kommunikation, Architektur, Literatur,
Kunst, Musik."
Peter Weibel: http://www01.zkm.de/algorithmische-revolution/
"...das kognitiv richtige Denken verwandelt sich mit dem Ablauf der Zeit in Technologie im Gegensatz zum 'unrichtigen' Denken, welches die reale Welt - ohne es zu bemerken - transzendiert und Fiktionen schafft, wie philosophische Systeme, Weltanschauungen, Mythen und dergleichen."
Lem, St.: Vorwort im nachhinein, in: Ralf-Dirk Hennings u.a. (Hg.): Informations- und Kommunikationsstrukturen der Zukunft. Bericht anläßlich eines Workshops mit Stanislaw Lem, München 1983, S.9f.
"Text heisst jede durch eine Grammatik (Chomskygenerator) generierte Menge
von Zeichenketten, unabhängig davon, wozu wir sie verwenden. Abstrakt,
als Texte sind sich ein Computerprogramm und ein Liebesbrief gleich. Wenn Text
nicht mentalistisch abgehoben, eine „(schriftlich fixierte) im Wortlaut
festgelegte Folge von Aussagen" (Microsoft 1995 (Duden-LexiRom)), sondern
ein von Menschen intentional hergestelltes Produkt ist, kann man nicht nur nach
seiner Verwendung oder Wirkung, sondern auch nach seiner Gegenstandsbedeutung
(Holzkamp 1976:25ff) fragen. Die Gegenstandsbedeutung von Text ist nicht eine
irgendwie geartete inhaltliche Bedeutung, die mittels Text übermittelt
werden soll, sondern die Bedeutung des gegenständlichen Textes selbst,
also seine gegenständliche Funktion im übergeordneten Prozess."
Rolf Todesco
Hypertext oder Was heisst Konstruktion im konstruktivistischen Diskurs?
in: Rusch, G. / S.J. Schmidt (Hrsg): Konstruktivismus in Psychiatrie und Psychologie,
Delfin 1998/99, Suhrkamp, stw 1503, Frankfurt 2000
Der Künstler als Programmierer findet ein widerständiges Material.
Dieses ist von vornherein semiotischer Art. Seine Widerständigkeit liegt
folglich im Geistigen. Berechnungen gilt es zu organisieren, die zu Bildereignissen
werden. Die Bewunderung für den Künstler, die wir aus seinem Bild
heraus stets aufbringen wollen, findet ihren Anlaß in der Distanz, die
er zum eigenen Werk eingeht und aushält. Deutlich ist die künstliche
Kunst, die sich des Computers bedient, eine postmoderne Kunst, also eine Kunst,
die zwar zu den Materialien gelangt, aber nicht von ihnen selbst, sondern von
ihren semiotischen Spuren ausgeht...
Frieder Nake: "Mensch und Kunst im Computerzeitalter" http://www.emohr.com/ww1_out.html
Die Instruktionen und Anweisungen der unterschiedlichen Musik- und Kunstrichtungen
lassen sich im Begriff des Algorithmus zusammenfassen. Ein Algorithmus ist eine
streng definierte Handlungsanweisung mit finiten Elementen und einer determinierten
Abfolge die einer Maschine oder einem Menschen mitteilt, was zu tun ist. Die
Maschine folgt einer Folge von Ziffern und führt das Programm aus, der
Mensch folgt Buchstaben und Symbolen, sei es einem Kochrezept, einer musikalische
Partitur oder den Regeln eines Spiels. Die intuitiven Algorithmen in Form von
Gebrauchs- und Handlungsanweisungen setzten sich in den Künsten parallel
zur Entwicklung der Rechenmaschinen und Maschinensprachen und ihren algorithmischen
Prozeduren durch.
Peter Weibel: http://www02.zkm.de/youser/index.php?option=com_content&task=view&id=16&Itemid=24
"Zentraler Gegenstand der Methodologie der objektiven
Hermeneutik sind die latenten Sinnstrukturen und objektiven Bedeutungsstrukturen
von Ausdrucksgestalten, in denen sich [...] die psychischen, sozialen und kulturellen
Erscheinungen einzig präsentieren, und in denen wir als Lebenspraxis uns selbst
verkörpern sowie die uns gegenüberliegende Erfahrungswelt repräsentieren. Konstitutionstheoretisch
steht hinter dieser Bestimmung die Prämisse, daß die kategorial von den stochastischen
Welten verschiedenen Bedeutungswelten uns als verstehbare dadurch gegeben sind,
daß die Bedeutung von Ausdrücken grundsätzlich sprachlich durch generative Algorithmen
erzeugt werden. Damit soll gesagt sein, daß die sprachlich erzeugten objektiven
Bedeutungen den subjektiven Intentionen konstitutionslogisch vorausliegen und
nicht umgekehrt der je subjektiv gemeinte bzw. intendierte Sinn die objektive
Bedeutung von Ausdrücken erzeugt."
Ulrich Oevermann, Manifest der objektiv hermeneutischen Sozialforschung,
Frankfurt 2002, Seite 1
"Es wird darin grundlegend zwischen zwei ganz verschiedenen
Parametern in der Determination von Sequenzen unterschieden. Ein erster Parameter
von Erzeugungsregeln besteht aus dem Gesamt an Sequenzierungsregeln, durch die
an einer je gegebenen Sequenzstelle die sinnlogisch möglichen Anschlüsse
erzeugt werden und auch die je möglichen sinnlogisch kompatiblen vorausgehenden
Handlungen festgelegt sind und entsprechend erschlossen werden können.
Diesen Parameter muß man sich vorstellen als eine Menge von algorithmischen
Erzeugungsregeln sehr unter schiedlichen Typs . Dazu gehören z.B. ganz
elementar die Regeln der sprachlichen Syntax, aber auch die pragmatischen Regeln
des Sprechhandelns und die logischen Regeln für formale und für materialsachhaltige
Schlüssigkeit. Dieses Gesamt an Sequenzierungsregeln erzeugt an jeder Sequenzstelle
je von Neuem einen Spielraum von Optionen und Möglichkeiten, aus denen
dann die in diesem PraxisRaum anwesenden Handlungsinstanzen per Entscheidung
eine Möglichkeit auswählen müssen. Welche Auswahl konkret getroffen
wird, darüber entscheidet ein zweiter Parameter von Auswahlprinzipien und
faktoren, der alle Komponenten und Elemente der Disponiertheit der verschiedenen
beteiligten Lebenspraxen oder Handlungsinstanzen umfaßt. Das Gesamt der
Dispositionen einer je konkreten Lebenspraxis macht deren Eigenart oder deren
Charakter, sequenzanalytisch ausgedrückt: deren Fallstruktur, aus."
Ulrich Oevermann, Manifest der objektiv hermeneutischen Sozialforschung,
Frankfurt 2002 , Seite 7f
"Die Sequenzanalyse geht von der elementaren Feststellung
aus, daß alle Erscheinungsformen von humaner Praxis durch Sequenziertheit
strukturiert bzw. konstituiert sind. Darunter wird hier nicht die triviale Form
von Temporalisierung im Sinne eines zeitlichen Nacheinanders verstanden, sondern
der nicht-triviale Umstand, daß jegliches Handeln und seine kulturellen
Objektivierungen qua Regelerzeugtheit soziales Handeln sind. Und Regelerzeugung
impliziert, daß die auch temporal sich manifestierende Sequentialität
nicht auf ein Ursache-Wirkungs-Bedingungsverhältnis, sondern eine sinnlogische
Grund-Folge-Beziehung zurückgeht - analog zu einem Algorithmus im Sinne
einer rekursiven Funktion. Regelerzeugung bedeutet in sich Sequenzierung. Jedes
scheinbare Einzel-Handeln ist sequentiell im Sinne wohlgeformter, regelhafter
Verknüpfung an ein vorausgehendes Handeln angeschlossen worden und eröffnet
seinerseits einen Spielraum für wohlgeformte, regelmäßige Anschlüsse.
An jeder Sequenzstelle eines Handlungsverlaufs wird also einerseits aus den
Anschlußmöglichkeiten, die regelmäßig durch die vorausgehenden
Sequenzstellen eröffnet wurden, eine schließende Auswahl getroffen
und andererseits ein Spielraum zukünftiger Anschlußmöglichkeiten
eröffnet."
Oevermann, Ullrich: Die Methode der Fallrekonstruktion in der Grundlagenforschung
sowie der klinischen und pädagogischen Praxis, in: K. Kraimer (Hg.): Die
Fallrekonstruktion. Sinnverstehen in der sozialwissenschaftlichen Forschung.
Frankfurt am Main, 2000 S. 64
"Die kritische Evaluierung einer allzu mechanistischen
Übertragung automatentheoretischer Vorstellungen über die Verarbeitung
und Interpretation von Zeichenketten zur Erklärung von Vermögen menschlicher
Sprachverarbeiter läßt gleichwohl erkennen, daß mit der Porzeduralität
eine neue Ebene formaler Rekonstruktion semantischer Strukturzusammenhänge
verbunden ist, die nicht nur über die Explikation von Bedeutung als mengentheoretisch
beschreibbare Extension oder als Eigenschaften festlegende Intension eines Ausdrucks
hinausgeht, sondern gleichzeitig noch eine neue Dimension der Überprüfbarkeit
dadurch erschließt, daß prozedurale Rekonstruktionen sich über
die Struktur-produzierenden Prozesse simulieren lassen, die sie repräsentieren.
"
Burghard Rieger: pub/sammelbaende/bedeutungskonstitution/einleitung.html
"Den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften ist
ihr Gegenstand erst unter dem grundlegenden Aspekt der Sinnstrukturiertheit
gegeben, und Sinnstrukturiertheit wiederum kommt ihrem Gegenstandsbereich erst
aufgrund der Regelgeleitetheit von sozialem Handeln, nicht aufgrund des subjektiven
Meines und Intendierens zu, wobei unter Regeln hier in scharfer Differenz zu
Regularität oder Regelmäßigkeit formal ein Äquivalent zu
einem Algorithmus verstanden wird..."
Ulrich Oevermann, Die objektive Hermeneutik als unverzichtbare
methodologische Grundlage für die Analyse von Subjektivität. Zugleich
eine Kritik der Tiefenhermeneutik, In. Jung, Th., Müller-Doohm, st. (Hg):>>Wirklichkeit<<
im Deutungsprozess: Verstehen und Methoden in den Kultur- und Sozialwissenschaften,
Frankfurt 1993, S. 115
Memes are habits, skills, songs, stories, or any other kind of information
that is copied from person to person. Memes, like genes, are replicators. That
is, they are information that is copied with variation and selection. Because
only some of the variants survive, memes (and hence human cultures) evolve.
Memes are copied by imitation, teaching and other methods, and they compete
for space in our memories and for the chance to be copied again. Large groups
of memes that are copied and passed on together are called co-adapted meme complexes,
or memeplexes.
Susan Blackmore: http://www.susanblackmore.co.uk/memetics/about%20memes.htm
Algorithmischer
Strukturalismus:
Formalisierung
genetischer Strukturalismus:
Ein
Versuch, dazu beizutragen, den genetischen Strukturalismus falsifizierbar zu
machen
Aachen 1994: Wichtigste zukünftige Aufgabe der Kulturwissenschaften wird die Suche nach einem gültigen Interpretationsverfahren für Texte (Gesamtheit aller kopierbaren, imitierbaren und reproduzierbaren Regel- und Symbolgehalte: Zeichenketten) sein. Wichtige Werkzeuge werden dabei berechenbare Wortfunktionen, Algorithmen und formale Sprachen sein. Kunst und Kultur, Musik, Schach, Sprache, die Menge der natürlichen
Zahlen, die Axiome und Sätze der Zahlentheorie sind Objekte der Welt 3 Poppers:
Algorithmen und Datenstrukturen. Sie sind völlig unabhängig davon, ob irgendein
Objekt der Welt 1 Poppers sich relativ zu einem anderen Objekt der Welt 1 Poppers
gleichförmig bewegt, irgendein Objekt der Welt 1 Poppers beschleunigt wird,
sich in der Nähe eines Massezentrums befindet oder Quanteneffekten ausgesetzt
ist. Objekte der Welt 3 Poppers und Objekte der Welt 1 Poppers haben keinen
direkten Einfluss aufeinander. Die Subjekte (Welt 2) bringen interagierend die
Welt 3 hervor und verändern die Welt 1. So hinterlässt die Welt 3, vermittelt
über Welt 2, Spuren in der Welt 1. Diese Spuren sind material Objekte der Welt
1 Poppers (Maschinen und Werkzeuge, Gebäude und Gebäudeeinrichtungen, Einrichtungen
der Energieversorgung, Wasserversorgung, Abwasserentsorgung, Transportwege und
Transportfahrzeuge, Kommunikationsanlagen und Kommunikationsversorgung, Textilien,
Bibliotheken, Kunstwerke, überhaupt alle Artefakte). Formal sind sie diskrete
endliche Zeichenketten (Welt 3). Sie zu verstehen bedeutet nichts anderes, als
die Algorithmen und Datenstrukturen zu rekonstruieren, die diese diskreten endlichen
Zeichenketten definieren. Die Algorithmen und Datenstrukturen reproduzieren und transformieren sich permanent. Die Reproduktion ist ein Grenzfall der Transformation. So sichern Adaption, Selektion und Variation gleichzeitig Kontinuität und die Entstehung von Neuem. Das bedeutet nicht, dass Subjekte in irgendeinem Sinn
von Bedeutung Algorithmen folgen. Die Subjekthypothese emergiert aus dem Transformationsprozess. Subjekte sind nicht Teil des Modells. Das
Modell ist der genetische Strukturalismus von Ulrich Oevermann. Die Methode
ist die objektive Hermeneutik von Ulrich Oevermann. Die objektive Hermeneutik
ist auch als strukturale Hermeneutik bekannt. In allen Bereichen der Kultur,
Architektur, Musik, Literatur, Kunst, Verkehrs- und Transportwesen, Politik,
Wirtschaft, Recht, Verwaltung, Technik haben sich algorithmische Entscheidungsprozeße
durchgesetzt. die algorithmische Revolution setzt jene Technik fort, die mit
der Entwicklung des Alphabets begann.
| welt 1 |
koerper |
natur |
hardware |
physik,
chemie, biologie, etc. |
theorie,
hypothese, experiment |
| welt 2 |
seele |
subjekt |
wetware |
psychologie,
psychotherapie, paedagogik etc. |
subjektives
verstehen: empathie |
| welt 3 |
geist |
kultur |
software |
mathematik, logik, linguistik, informatik, soziologie, etc. |
algorithmische
rekonstruktion formaler modelle: objektives verstehen |
Der Algorithmische
Strukturalismus ist ein Versuch, dazu beizutragen, den genetischen Strukturalismus
(ohne Auslassung und ohne Hinzufügung) in eine falsifizierbare Form zu
übersetzten. Die Algorithmisch Rekursive Sequenzanalyse (Aachen 1994) ist
eine Methode zur Analyse von Texten. Texte werden ganz allgemein als diskrete
endliche Zeichenketten verstanden. Diskrete endliche Zeichenketten sind dann
wohlgeformt, wenn für sie mindestens eine formale Sprache angegeben werden
kann, die sie definiert. Die Methodologie der Algorithmisch Rekursiven Sequenzanalyse
ist der Algorithmische Strukturalismus. Der Algorithmische Strukturalismus ist
eine Formalisierung des genetischen Strukturalismus. Der Algorithmische Strukturalismus
ist der Versuch den genetischen Strukturalismus falsifizierbar zu machen.
Der genetische
Strukturalismus ist ein in Umgangssprache formuliertes und gegen jeden Falsifikationsversuch
immunisiertes Modell. Das ist eigentlich nicht ungewöhnlich. In einem Punkt aber unterscheidet sich der genetische
Strukturalismus von anderen Modellen. Der genetische Strukturalismus
setzt voraus, dass soziale Fallstrukturen durch Regeln im Sinne von Algorithmen
definiert sind. Die anderen konkurrierenden Modelle werfen dem genetischen
Strukturalismus deshalb vor, mit "vorsozialen" und "biologischen"
Algorithmen zu arbeiten und "metaphysisch" zu argumentieren (vgl.:
http://www.qualitative-research.net/fqs-texte/2-02/2-02hitzler-d.htm
). Das ist absurd. Algorithmen sind weder biologisch noch metaphysisch. Insbesondere
können sie nicht gleichzeitig beides sein. Algorithmen sind nicht biologisch.
Tiere haben keine Algorithmen. Algorithmen sind menschlich erzeugte Objekte
der Welt 3 Poppers. Wenn Algorithmen "vorsozial" und "metaphysisch"
sind, dann ist die Menge der natürlichen Zahlen "vorsozial" und
"metaphysisch". Und dann ist jedes Alphabet und jede Syntax einer
menschlichen Sprache "vorsozial" und "metaphysisch". Algorithmisieren
kann man natürlich jede Ausdrucksgestalt. In allen Bereichen der Kultur,
Architektur, Musik, Literatur, Kunst, Verkehrs- und Transportwesen, Politik,
Wirtschaft, Recht, Verwaltung, Technik haben sich algorithmische Entscheidungsprozesse
durchgesetzt. Die algorithmische
Revolution setzt jene Technik fort, die mit der Entwicklung des Alphabets
begann. "Tiere kennen keine Algorithmen. Wir können zwar (versuchen,)
tierisches Verhalten algorithmisch (zu) beschreiben, das ist jedoch eine menschliche
Tätigkeit." (vgl.: http://www.kritische-informatik.de/index.htm?algorevl.htm)
Die soziale Wirklichkeit
läßt sich letztlich nicht direkt beobachten. Soziale Strukturen neigen
dazu, sich zu entziehen, wenn sie direkt beobachtet werden. Beobachten kann
die soziale Wirklichkeit im Grenzfall nur sich selbst. Intersubjektivierbar
ist diese Selbstbeobachtung nicht. Im Grenzfall mündet die direkte Beobachtung
sozialer Strukturen in einen infiniten Rergess und in eine nicht vernachlässigbare
Veränderung des beobachteten Gegenstandes.
Die Algorithmische
Strukturalismus unterstellt, dass die soziale Wirklichkeit selbst (Wetware,
Welt 2) nicht kalkülfähig ist. Die soziale Wirklichkeit hinterlässt bei
ihrer Reproduktion und Transformation rein physikalisch semantisch unspezifische
Spuren (Protokolle, Hardware, Welt 1). Diese Spuren können als Texte (diskrete
endliche Zeichenketten, Software, Welt 3) verstanden werden. Es wird dann gezeigt,
dass eine Approximation der Transformationregeln der sozialen Wirklichkeit (latente
Sinnstrukturen, Regeln im Sinne von Algorithmen) durch Konstruktion formaler
Sprachen (Welt 3, Software) möglich ist. Diese Methode ist die Algorithmisch
Rekursive Sequenzanalyse.
Der genetische Strukturalismus unterstellt soziale Fallstrukturen, die Sequenzstelle für Sequenzstelle unabhängig von der vorherigen Sequenzstelle aus der aktuellen Sequenzstelle mit Regeln im Sinne von Algorithmen die nächste Sequenzstelle erzeugen. Dem entspricht eine kontextfreie -left to the right- operierende formale Sprache. Durch Lesartenproduktion
und Lesartenfalsifikation wird Sequenzstelle für Sequenzstelle informell
das Regelsystem erzeugt. Das informelle Regelsystem wird in ein K-System übersetzt.
Mit dem K-System wird dann eine Simulation duchgeführt. Das Ergebnis der
Simulation, eine terminale endliche Zeichenkette wird mit der empirisch gesicherten
Spur statistisch verglichen.
Das bedeutet
nicht, dass Subjekte in irgendeinem Sinne von Bedeutung Regeln im Sinne von
Algorithmen folgen. Die soziale Wirklichkeit ist unmittelbar nur sich selbst
zugänglich. Völlig unzugänglich sind die inneren Zustände
der Subjekte. Aussagen über diese inneren Zustände von Subjekten sind
Derivate aus den gefundenen latenten Sinnstrukturen, Regeln im Sinne von Algorithmen.
Bevor eine Annahme über den inneren Zustand eines Subjektes formuliert
werden kann, müssen zuerst diese latenten Sinnstrukturen, Regeln im Sinne
von Algorithmen, als Möglichkeitsraum von Sinn und Bedeutung gültig
bestimmt werden. Sinn meint nicht ein ethisch gutes, ästhetisch schönes
oder empathisch nachvollzogenes Leben sondern einen intelligiblen Zusammenhang,
Regeln im Sinne von Algorithmen.
Das ist eigentlich
selbstverständlich. Und dennoch gibt es Pädagogen, Psychologen, Therapeuten und
Theologen, die extravagant genug sind, um soziale Fallstrukturen, also Regeln
im Sinne von Algorithmen, in der Erziehung, der Seelsorge oder Therapie als Erziehungsmittel oder therapeutische Kunst einzusetzen. Das ist absurd! "Fahrgäste" sind keine "Fahrpläne". "Hausbewohner"
sind keine "Hausordnungen". Gegenstand der objektiven Hermeneutik
sind die "Fahrpläne" und "Hausordnungen". "Fahrgäste"
und "Hausbewohner" gehören nicht zum Wirklichkeitsbereich der objektiven Hermeneutik. Man kann diese konstitutive Regel verletzen. Dann hört die objektive Hermeneutik
auf objektive Hermeneutik zu sein. Man kann die Trümmer dann weiter "objektive
Hermeneutik" nennen. Das ist dann ein Beispiel für Konstruktivismus.
Dieser Konstruktivismus vermischt mit Astrologie, Buddhismus, Christentum, Daoismus, Esoterik, Islam und Judentum ist zur Zeit die herrschende Weltanschauung im Umfeld der objektiven
Hermeneutik. Das mag witzig gemeint sein. Witzig ist es aber nicht. Es schadet der objektiven Hermeneutik und verhindert die Entwicklung eines gültigen Verfahrens zur Interpretation von Texten. In diesem Kreis von Erleuchteten und Eingeweihten wird aus der objektiven Hermeneutik ein Geheimritual, das nur noch dem Zweck dient elitäre spirituelle Bedürfnisse zu befriedigen.
Die latenten
Sinnstrukturen, Regeln im Sinne von Algorithmen, erzeugen diachronisch eine
Kette von Selektionsknoten (Parameter I), wobei sie synchronisch zum Zeitpunkt
t aus dem Selektionsknoten t den Selektionsknoten t+1 erzeugen (Parameter II).
Dem entspricht eine kontextfreie formale Sprache (K-Systeme), die aus dem Selektionsknoten
zum Zeitpunkt t durch Anwendung von Produktionsregeln den Selektionsknoten t+1
erzeugt.
Dabei ist jeder
Selektionsknoten ein Zeiger auf rekursiv ineinander verschachtelte K-Systeme.
So kann wie mit einem Mikroskop in die Fallstruktur hineingezoomt werden. Die
Menge der K-Systeme bilden eine Case Structure Modelling Language "CSML".
Die Approximation
laesst sich beliebig nahe an die Transformation der sozialen Wirklichkeit annähern.
Dabei werden den Produktionen Maße zugeordnet, die ihrer empirischen gesicherten
Pragmatik/Semantik entsprechen. Sie bilden topologisch ein rekursives Transitionsnetz
diskreter nichtmetrischer Ereignismengen ueber denen ein algorithmisches Regelsystem
arbeitet. K- Systeme K sind formal durch ein Alphabet (
), alle Worte über dem Alphabet ( A* ),
Produktionsregeln ( p ) dem Auftrittsmaß
h (Pragmatik/Semantik)und einer axiomatischen ersten Zeichenkette
( )
definiert:

Vom Axiom k0
ausgehend, erzeugt ein K-System eine Zeichenkette k0k1k2...
indem die Produktionsregel p auf das Zeichen
i einer Kette angewendet wird:

Ein strenges
Maß für die Zuverlässigkeit der Zuordnung der Interakte zu den Kategorien (vorläufige
Formative da im Prinzip ad infinitum zu approximieren) ist die Anzahl der von
allen Interpreten übereinstimmend vorgenommene Zuordnung (vgl MAYRINGl99O,S.94ff,
LISCH/KR1Z1978,S.84ff). Dieser Koeffizient ist dann definiert
mit:

N:= Anzahl der
Interpreten
Z:= Anzahl der
total übereinstimmenden Zuordnungen
Ii:=Anzahl der
Zuordnungen des Interpreten Ii
Eine
Beispielsitzung unter clisp mit dem K-system für Verkaufsgespräche:
Das Beispiel ist
Ergebnis umfangreicher Sequenzanalysen von Verkaufsgesprächen in den Jahren
1994, 1995 und1996. Dabei wurden in großem Umfang Spuren von Verkaufs-
und Kaufsinterakten gesichert: Tonbandprotokolle von Interakten im Einzelhandel
und auf Märkten. Eine Auswahl dieser Protokolle wurden transkribiert und
einer umfangreichen objektiv hermeneutischen Interpretation unterworfen. Aus
dieser Auswahl wurde dann ein Transkript einer aufwendigen vollständigen
Algorithmisch Rekursiven Sequenzanalyse unterworfen. Alle Arbeiten wurden umfangreich
dokumentiert und vollständig zusammengefasst. (Die Dokumente werden auf
Anfrage gerne vollständig zur Verfügung gestellt.)

Paul Koop K-System
Verkaufsgespräch in Lisp
Die Zeichen der Zeichenkette
sind ohne vordefinierte Bedeutung. Theoretisch relevant ist allein die Syntax
ihrer Verknüpfung. Sie definiert die Fallstruktur. Die semantische Interpretation
der Zeichen ist alleine eine Interpretationsleistung eines menschlichen Lesers.
Im Prinzip ist auch eine visuelle Interpretation (die animiert werden kann)
etwa zur automatischen Synthese von Filmsequenzen möglich.:
Ein menschlicher
Leser kann die Zeichen interpetieren:
| Verkaufsgespräche |
VKG |
| Verkaufstätigkeit |
VT |
| Bedarfsteil |
B |
| Abschlußteil |
A |
| Begrüßung |
BG |
| Bedarf |
Bd |
| Bedarfsargumentation |
BA |
| Abschlußeinwände |
AE |
| Verkaufsabschluß |
AA |
| Verabschiedung |
AV |
| vorangestelltes K |
Kunde |
| vorangestelltes V |
Verkäufer |
| 1 |
(setq vkg
'(
((s bg)100(s vt))
((s vt)50(s vt))
((s vt)100(s av))
)
) |
Parameter II
|
| 2 |
(setq av
'(
(kav 100 vav)
)
) |
Parameter II |
| 3 |
(setq bg
'(
(kbg 100 vbg)
)
) |
Parameter II |
| 4 |
(setq vt
'(
((s b)50(s b))
((s b)100(s a))
)
) |
Parameter II |
| 5 |
(setq a
'(
((s ae)50(s ae))
((s ae)100(s aa))
)
) |
Parameter II |
| 6 |
(setq b
'(
((s bbd) 100 (s ba))
)
) |
Parameter II |
| 7 |
(setq aa
'(
(kaa 100 vaa)
)
) |
Parameter II |
| 8 |
(setq ae
'(
(kae 100 vae)
)
) |
Parameter II |
| 9 |
(setq ba
'(
(kba 100 vba)
)
) |
Parameter II |
| 10 |
(setq bbd
'(
(kbbd 100 vbbd)
)
) |
Parameter II |
| 11 |
(defun gs (s r)
(cond
((equal s nil)nil)
((atom s)(cons s(gs(next s r(random 100))r)))
(t (cons(eval s)(gs(next s r(random 100))r)))
)
) |
Parameter I |
| 12 |
(defun next (s
r z)
(cond
((equal r nil)nil)
((and(<=z(car(cdr(car r))))
(equal s(car(car r))))(car(reverse(car r))))
(t(next s (cdr r)z))
)
) |
Parameter I |
| 13 |
(defun first (list)
(car(car list))
)/td>
| Parameter I |
| 14 |
(defun s ( )
(setq protokoll(gs(first vkg)vkg))
) |
Parameter I |
Es wurde ein
Reliabilitätskoeffizient von
gemessen.
Die soziale Wirklichkeit
selbst aber ist nicht kalkülfähig und nur sich selbst im Moment der Transformation
zugänglich.
Offene Fragen:
Über den Text hinaus, der seine materiale Spur im Protokoll findet, gibt
es keinen Zugang zu einer dahinterliegenden Wirklichkeit. Sozialer Raum, soziale
Zeit und Bewusstsein sind parasitäre Fallstrukturen, die sich durch Abzählung
anderer Fallstrukturen reproduzieren und transformieren. Die Reproduktion ist
der Grenzfall der Transformation. Subjekte sind Kopier- und Rekombiniermaschinen
der Fallstrukturen. Jedes Ereignis in der die Fallstruktur protokollierenden
Zeichenkette ist Zeichen eines Alphabetes. Die Regeln der Verknüpfung sind
äquivalent zu einer kontextfreien formalen Sprache, die "left to the
right" operiert. Die Produktionen sind gewichtete Kanten eines Graphen.
Die Ereignisse sind die Knoten des Graphen. Transformiert, Rekombiniert und
Selektiert werden die Gewichte der Kanten. Die Rekombination der Gewichte kann durch Fuzzy Logic Modelle (z.B. Thomas Kron) simuliert werden. Fuzzy Logic (z.B. Thomas Kron) und K-Systeme ergänzen sich gegenseitig. So entsteht Neues bei gleichzeitiger
Wahrung der kontinuierlichen Anschlussfähigkeit. K-Systeme modelliern diesen
Prozess. K-Systeme modellieren den algorithmischen Strukturalismus, den genetischen
Strukturalismus (Ulrich Oevermann), die konstruktivistische Systemtheorie (Niklas Luhmann), die Memetik (Richard Dawkins, Susan Blackmore), das Modell wechselnder Paradigmen (Thomas Kuhn), das Agentenmodell von Marvin Minsky, Daniel Dennett und Thomas Metzinger, die evolutionäre Erkenntnistheorie von Karl Popper. Hinter aller rethorischen
Vieldeutigkeit dieser Modelle verbirgt sich ein äquivalentes Modell der
gültigen Interpretation und Modellierung von Zeichenketten und deren Reproduktion
und Transformation.
* Blackmore und Dawkins laufen unter der Flagge Liberalismus. Oevermann gibt sich als bildungsbürgerlicher Hermeneut. Und die Anhänger des Konstruktivismus etikettieren sich als Systemtheoretiker.
** Dawkins hat sein Modell lange vor Oevermann und Luhmann vorgestellt. In der Sprache von Dawkins sind die Modelle von Oevermann und Luhmann Imitationen und Kopien. Blackmore, Dawkins, Oevermann und Luhmann haben eine weitere Gemeinsamkeit. Ihre Texte gehen nicht über eine Programmatik hinaus. Damit sagen sie nicht mehr, als Lem seinen Golem in dessen Antrittsvorlesung schon feststellen ließ. Sie sind also Science-Fiction.
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